Der eine trage des andern Last

Apostel Achim Burchard diente während des regionalen Jugendtages für die Bezirke Göttingen, Wolfenbüttel, Hildesheim und Braunschweig in der Kirche in Gifhorn. Dabei standen aktuelle Ereignisse im Vordergrund.

Lange geplant und angekündigt, war der „Kleine Jugendtag“ in Gifhorn keine Überraschung. Und dennoch konnte niemand zuvor erahnen, unter welchen Bedingungen sich die Jugendlichen am 13. März 2011 trafen: Ein Gottesdienst mit erwartet vielen jungen Menschen, mit unerwartet wenig Leichtigkeit und mit nie geahnter Tiefe.

„Der eine trage des andern Last“ (Galater 6, aus 2)

hieß das Bibelwort, das nicht nur vor den Ereignissen der letzten Tage in Japan so sehr konkret wurde. Denn viele erfuhren erst kurz vor dem Gottesdienst, dass ein Jugendlicher aus ihrer Mitte ganz plötzlich verstorben war. Seine Familie nahm auch an diesem Gottesdienst teil.

Mit viel Gefühl nahm sich Apostel Achim Burchard Zeit, mit den Gottesdienstteilnehmern an die unzähligen Leidtragenden (hier und in Japan) zu denken und bat um einen Moment der Stille in einer Gedenkminute.

Auch nach diesen bewegenden Augenblicken waren die Opfer und die Trauernden im Kern des Gottesdienstes.

Bischof Winfried Sommer umrahmte im Mitdienen seine Gedanken mit drei Fragen: Was ist eine Last? Will ich helfen? Kann ich das? Er schilderte verschiedene Arten von Lasten, die die Jugendlichen tragen müssten, und ebenso die Schwierigkeiten, dabei konkret zu helfen. Dennoch machte er seine Überzeugung deutlich, dass Gedenken helfen, anderen einen Hoffnungsschimmer zu geben. Er lud die Jugendlichen ein, für andere einzustehen und zum Tragen der Lasten den Glauben anzuwenden.

Der Bezirksälteste Jürgen Friedemann aus Braunschweig ergänzte danach die Frage, was eine Last ist, um einen weiteren Aspekt, indem er von unterschiedlichen Wahrnehmungen sprach und auf die Notwendigkeit einging, beim Helfen den Standpunkt des anderen einzunehmen und sich selbst nicht als Maßstab zu betrachten. Man solle offene Augen und offene Ohren für den andern haben, aber sich auch selbst Schwächen eingestehen, Hilfe annehmen und sich bewusst machen: „Ich bin nicht Superman.“

Auch der Bezirksälteste Andreas Dahlke aus Wolfenbüttel wies darauf hin, dass niemand immer nur stark sei und mal der eine, mal der andere gebraucht werde, um gemeinsam zu tragen. Der liebe Gott lege Lasten auf, aber er helfe auch „durch dich und mich“.

Nach dem Gottesdienst war noch Zeit für ein gemeinsames Mittagessen, Kaffee, Kuchen und das eine oder andere Gespräch. Alles mit weniger Überschwang als gewohnt, aber mit einer Menge kleiner Freuden und viel Nähe.

A-L. W. Fotos: T.B.